GLOSSAR

Abriss

  • 2021 wurden rund 14.090 Gebäudeabrisse statistisch erfasst. Rund die Hälfte der abgerissenen Gebäude (7.668) stammen aus der Nachkriegszeit (1949-1986). 1
    Dies entspricht rund 1,9 Millionen Quadratmeter Wohnfläche und 7,5 Millionen Quadratmeter Nutzfläche.2
  • Recherchen des Bundesarbeitskreises Wohnungsmarktbeobachtung vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) deuten jedoch darauf hin, dass im Bundesdurchschnitt lediglich ein Viertel der tatsächlichen Verluste erfasst werden. 3
  • Dies liegt daran, dass ein großer Teil der Abrisse nicht genehmigungs- sondern nur anzeigepflichtig sind, und dieser Anzeigepflicht nicht nachgekommen wird.

Bauabfälle

  • Deutschland produziert 230,9 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle, was gut 55 Prozent des gesamten Abfalls ausmacht. 4
  • Nur sieben Prozent davon werden recycliert und kommt wieder im Hochbau im Einsatz. Der Rest wird zu minderwertigen Zwecken verwendet (Downcycling z.B. im Straßenbau) oder deponiert. Insbesondere Verbundbaustoffe verursachen einen erheblichen Anteil an Sondermüll, der nicht oder nur mit großem Aufwand getrennt und wiederverwendet werden kann.5

Energieverbrauch

  • Der Gebäudebereich ist für 35 Prozent (839 Terawattstunden TWh) des deutschen Endenergieverbrauchs verantwortlich.6
  • Rund 25 Prozent (ca. 644 TWh) entstehen in privaten Haushalten, davon zwei Drittel für Heizung und Warmwasserbereitung.7
  • Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen bis spätestens 2050 rund drei Viertel der 22 Millionen Gebäude in Deutschland energetisch saniert werden.

Energetische Sanierung

  • Zur energetischen Sanierung eines Gebäudes gehört die Dämmung der Außenwände, des Dachs und des Kellers, das Austauschen der Fenster (Wärmeschutzverglasung) und eine effiziente Wärmetechnik für Heizung und Warmwasser.
  • Eine energetische Sanierung reduziert den Energieverbrauch um bis zu 80 Prozent, die Mehrkosten lassen sich komplett über die Energieeinsparung refinanzieren.8
  • Die energetische Sanierung spart im Vergleich zum Neubau grob zwei Drittel an Material.9
  • Bei der Lebenszkylusanalyse schneidet ein energetische Gebäudesanierung generell besser ab als ein Abriss-Neubau.

Graue Energie

  • Graue Energie bezeichnet den nicht erneuerbaren Energieaufwand, der notwendig ist, um ein Gebäude zu errichten, zu erhalten und rückzubauen. Sie umfasst die beim Abbau der Rohstoffe, der Herstellung und Verarbeitung von Baumaterialien, dem Transport von Mensch, Maschinen und Bauteilen, auf der Baustelle sowie beim Rückbau notwendige Energie.10
  • Je nach Materialwahl und -einsatz ist der Anteil an grauer Energie erheblich und nimmt mit steigendem Effizienzstandard prozentual am Gesamteinsatz von Energie im Gebäude zu. 11
  • Durch den grauen Energieeinsatz entstehen die sogenannten grauen Emissionen. Bei einer Messung der grauen Energie in Primärenergie (kWh) werden das in nachwachsenden Rohstoffen gespeicherte CO2 sowie das bei der Zementproduktion entstehende CO2 vernachlässigt.

Lebenszyklusanalyse

  • Das geltende Gebäudeenergiegesetz berechnet die energetische Qualität von Gebäuden nur anhand des Primärenergiebedarf (Betriebsenergie). Eine
    Lebenszyklusanalyse dagegen stellt die Kosten (Life Cycle Costs – LCC/ Lebenszykluskosten) und ökologischen Auswirkungen (Life Cycle Assessment –
    LCA/Ökobilanz) über den gesamten Gebäudezyklus dar, der standardmäßig mit 50 Jahre angenommen wird. 12
  • Sie preist damit auch die graue Energie und die grauen Emissionen mit ein sowie gegebenenfalls das Kreislaufpotenzial.

Leerstand

  • Im Gebäudebestand können mehr als vier Millionen Wohnungen zusätzlich errichtet werden. In Metropolen bestehen große Potenziale insbesondere im gewerblichen Bereich wie leerstehenden Büro- und Verwaltungsbauten, die zu ca. 50 Prozent mit geringem oder mittlerem Aufwand für den Umbau und die Umnutzung zu Wohnungen technisch und funktional geeignet sind. Allein durch zunehmenden Leerstand und höhere Flächeneffizienz könnten bis 2040 ca. 1,86 Millionen Wohnungen in Deutschland geschaffen werden.13
  • Instrumente wie der Leerstandsmelder unterstützen diese Entwicklung.

Material

  • Der Gebäudebestand in Deutschland stellt im Hochbau ein anthropogenes Materiallager in Höhe von 15,3 Milliarden Tonnen dar.14
  • Allein in Wohngebäuden befinden sich etwa 106 Millionen Tonnen Metalle. Jährlich werden 522 Millionen Tonnen des inländischen mineralischen Rohstoffabbaus in Gebäuden eingesetzt.15
  • Dieses Material kann wiederverwendet werden, wenn nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft geplant und gebaut wird.

Moratorium

  • Ein Moratorium ist ein vertraglich vereinbarter oder gesetzlich angeordneter Aufschub. Im Fall des Abriss-Moratoriums ist ein Aufschieben von Abrissaktivitäten bis zur Schaffung einer gesetzlich geregelten Genehmigungspflicht für Abrisse unter Maßhabe des Gemeinwohls, also der Prüfung der sozialen und ökologischen Umweltwirkungen gemeint.

Kreislaufwirtschaft

  • Kreislaufwirtschaft meint ein System, das flächendeckend die Wiederverwendung abgebrochenen Materialien unterstützt, technische und natürliche Materialkreisläufe einführt und die Ressourcen-inanspruchnahme sowie das Abfallaufkommen nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip auf ein absolutes Minimum reduziert.
  • In Deutschland fehlen anerkannte Systeme der Kreislaufwirtschaft, während in der Schweiz, den Niederlanden und auch Frankreich ist der Einsatz von Sekundärbaustoffen beziehungsweise die Wiederverwendung von Bauteilen inzwischen zulässig und erwünscht sind.16

Wiederverwendung

Die Wiederverwendung (Re-Use) von Bauteilen ist ein wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft, die über einen Materialpass (Kataster) funktioniert. Er
dokumentiert die im Gebäude verbauten Materialien und gibt Informationen über deren Eigenschaften und Qualitäten. Bereits während der
Planungsphase ist er ein qualitatives Steuerungsinstrument und dient als Grundlage für den Rückbau. Der Materialpass ist ein wichtiges Instrument, um
den Gebäudebestand als Rohstoffquelle besser nutzen zu können und die Wiederverwendung in der Architektur großmaßstäblich zu
implementieren.17


  1. https://web.archive.org/web/20250117104028/https://abrissmoratorium.de/Glossar#_ftn1
    Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bautätigkeit und Wohnungen. Fachserie 5 Reihe 1, Wiesbaden 2021. ↩︎
  2. https://drive.google.com/drive/folders/1F1FECQCFndKnYe4QmxrCDmmjTBN2fPZo
    Architects for Future Deutschland e.V. (Hrsg.): Klimaneutrales bzw. klimapositives Bauen: Vorschläge für eine Muster(um)bauordnung (2021) ↩︎
  3. https://www.wohnungsmarktbeobachtung.de/wissensdatenbank/indikatoren/datengrundlagen/bautaetigkeitsstatistik/statistikder-bauabgaenge
    Bundesarbeitskreis Wohnungsmarktbeobachtung (Hrsg.): Statistik der Bauabgänge ↩︎
  4. https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/abfallaufkommen#deutschlands-abfall
    Zahlen für 2019, bei einer Gesamtzahl von 416,5 Millionen Tonnen Abfall; 2006 waren es noch 372,9 Millionen Tonnen Abfall ingesamt, davon 197,7 Millionen Tonnen (53 Prozent) Bau- und Abbruchabfälle. Statistisches Bundesamt: Abfallbilanz ↩︎
  5. https://www.dena.de/newsroom/publikationsdetailansicht/pub/dena-gebaeudereport-2021-fokusthemen-fuer-den-klimaschutz/
    Deutsche Energie-Agentur (dena) (Hrsg.): Fokusthemen zum Klimaschutz im Gebäudebereich, Berlin 2021, S. 69. ↩︎
  6. https://www.dena.de/newsroom/publikationsdetailansicht/pub/dena-gebaeudereport-2021-fokusthemen-fuer-den-klimaschutz/ Deutsche Energie-Agentur (dena) (Hrsg.): Fokusthemen zum Klimaschutz im Gebäudebereich, Berlin 2021, S. 7ff. ↩︎
  7. https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/energieverbrauch-privater-haushalte
    Energieverbrauch privater Haushalte (01.07.2020) ↩︎
  8. https://www.dena.de/newsroom/publikationsdetailansicht/pub/broschuere-energetische-sanierung-fakten-statt-mythen-1/
    Deutsche Energie-Agentur (dena) (Hrsg.): Energetische Sanierung. Fakten statt Mythen, Berlin 2015, S. 4. ↩︎
  9. https://www.umweltbundesamt.de/en/publikationen/rohstoffeffizienz
    Umweltbundesamt: Rohstoffeffizienz. Wirtschaft entlasten, Umwelt schonen, Dessau-Roßlau 2010 ↩︎
  10. https://drive.google.com/drive/folders/1F1FECQCFndKnYe4QmxrCDmmjTBN2fPZo
    Annette Hillebrandt, Petra Riegler-Floors, Anja Rosen, Johanna Seggewies: Atlas Recycling. Gebäude als Materialressource, München 2018; zitiert nach Architects for Future Deutschland e.V. (Hrsg.): Klimaneutrales bzw. klimapositives Bauen: Vorschläge für eine Muster(um)bauordnung (2021) ↩︎
  11. https://www.dena.de/newsroom/publikationsdetailansicht/pub/dena-gebaeudereport-2021-fokusthemen-fuer-den-klimaschutz/
    Deutsche Energie-Agentur (dena) (Hrsg.): Fokusthemen zum Klimaschutz im Gebäudebereich, Berlin 2021, S. 70. ↩︎
  12. https://drive.google.com/drive/folders/1F1FECQCFndKnYe4QmxrCDmmjTBN2fPZo
    Architects for Future Deutschland e.V. (Hrsg.): Klimaneutrales bzw. klimapositives Bauen: Vorschläge für eine Muster(um)bauordnung(2021) ↩︎
  13. https://www.gdw.de/media/2022/02/studie-wohnungsbau-tag-2022-zukunft-des-bestandes.pdf
    Dietmar Walberg, Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. (Hrsg.): Wohnungsbau. Die Zukunft des Bestandes, Kiel 2022, S. 43. ↩︎
  14. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/urban-mining-ressourcenschonung-im-anthropozaen
    Umweltbundesamt (Hrsg.): Urban Mining. Ressourcenschonung im Anthropozän, Dessau-Roßlau 2017, S. 32. ↩︎
  15. https://www.umweltbundesamt.de/umweltatlas/bauen-wohnen/wirkungen-bauen/rohstoffentnahme-bauen/welche-menge-an-rohstoffen-braucht-die-bauindustrie
    Umweltbundesamt: Welche Menge an Rohstoffen braucht die Bauindustrie und in welchen Mengen werden sie regional abgebaut? Stand 2016 ↩︎
  16. https://drive.google.com/drive/folders/1F1FECQCFndKnYe4QmxrCDmmjTBN2fPZo
    Architects for Future Deutschland e.V. (Hrsg.): Klimaneutrales bzw. klimapositives Bauen: Vorschläge für eine Muster(um)bauordnung (2021) ↩︎
  17. https://www.umweltbundesamt.de/en/publikationen/rohstoffeffizienz
    Umweltbundesamt: Rohstoffeffizienz. Wirtschaft entlasten, Umwelt schonen, Dessau-Roßlau 2010 ↩︎

A Global Moratorium on New Construction
AfA – Aktiv für Architektur
Architects for Future
Architektenkammer Berlin
Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen
Baukammer Berlin
Bund Deutscher Architektinnen